Seit dem 24. März 2025 gilt bei Shopware eine Fair Usage Policy. Die Community Edition bleibt Open Source und kostenlos nutzbar. Aber wer mehr als eine Million Euro Jahresumsatz über den Shop macht, verliert ohne Bezahlplan den Zugang zu Shopware Account und Store. Dazu kommt eine Meldepflicht für alle. Was genau sich geändert hat, wen es trifft und wie Sie die Entscheidung zwischen Community Edition und Rise, Evolve oder Beyond sauber treffen.
Was Shopware am 24. März 2025 geändert hat
Lizenzänderungen liest kaum jemand gern. Diese sollten Sie lesen, wenn Ihr Shop auf Shopware läuft. Am 24. März 2025 hat Shopware seine Geschäftsbedingungen geändert und eine Fair Usage Policy eingeführt. Die Regelung betrifft alle, die die kostenlose Community Edition nutzen.
Der Kern der Änderung lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen. Die Community Edition bleibt Open Source und darf weiter kostenlos betrieben werden. Wer mit seinem Shop unter einer Million Euro Jahresumsatz liegt, behält vollen Zugang zu Shopware Account und Shopware Store. Wer über dieser Grenze liegt, braucht für diesen Zugang künftig einen Bezahlplan, also Rise, Evolve oder Beyond.
Dazu kommt eine Pflicht, die viele übersehen haben. Alle Nutzer der Community Edition müssen ihren Umsatz an Shopware melden. Dafür gibt es eine eigene Erweiterung, und die erste Frist lief bereits am 30. Juni 2025 ab. Wer sich bisher nicht damit beschäftigt hat, ist im Verzug, ohne es zu wissen.
Die Nuance, die in vielen Berichten fehlt
In Blogbeiträgen und Agentur-Newslettern wurde die Änderung oft verkürzt wiedergegeben. Da hieß es, große Shops dürften die Community Edition nicht mehr nutzen. Das stimmt so nicht, und der Unterschied ist wichtig.
Die Software selbst bleibt frei. Niemand schaltet Ihren Shop ab, wenn Sie über eine Million Euro Umsatz wachsen. Was ohne Bezahlplan wegfällt, ist der Zugang zu Shopware Account und Shopware Store. Das klingt zunächst verschmerzbar. In der Praxis ist es das selten. Über den Store laufen Erweiterungen und deren Updates. Ein Shop ohne Zugang zu Plugin-Updates ist kein stabiler Dauerzustand, sondern eine tickende Wartungsschuld. Sicherheitsupdates für Erweiterungen, Kompatibilität bei Versionssprüngen und neue Funktionen hängen an genau diesem Zugang.
Faktisch läuft die Regelung deshalb auf eine einfache Formel hinaus. Kleine Shops ändern nichts. Wachsende Shops müssen rechnen. Und Shops, die längst über der Grenze liegen, brauchen eine Entscheidung.
Warum Shopware das macht
Man kann die Änderung ärgerlich finden. Verstehen sollte man sie trotzdem, denn sie folgt einer Logik, die gerade die ganze Open-Source-Welt erfasst. Plattformen wie Shopware finanzieren Entwicklung, Sicherheit und Ökosystem aus den Bezahlplänen. Gleichzeitig liefen tausende umsatzstarke Shops jahrelang kostenlos auf der Community Edition. Die Fair Usage Policy zieht hier eine Grenze. Wer wenig Umsatz macht, zahlt nichts. Wer viel Umsatz über die Plattform macht, soll zum Ökosystem beitragen.
Shopware ist mit diesem Schritt nicht allein. Pimcore hat 2025 seine Community Edition von der GPLv3 auf eine eigene Lizenz umgestellt, ebenfalls mit einer Umsatzgrenze von fünf Millionen Euro. Was das für Pimcore-Nutzer bedeutet, haben wir in einem eigenen Artikel zur Pimcore-Lizenzumstellung analysiert. Das Muster ist dasselbe, und es wird weitere Anbieter erreichen. Wer heute Plattform-Entscheidungen trifft, sollte Lizenzmodelle als bewegliche Größe einplanen, nicht als Naturkonstante.
Was die Bezahlpläne kosten und was sie bringen
Die Pläne Rise, Evolve und Beyond unterscheiden sich in Funktionsumfang und Support. Rise ist der Einstieg für wachsende Händler. Evolve und Beyond richten sich an größere Unternehmen und enthalten unter anderem die B2B-Funktionen von Shopware, erweiterten Support und zusätzliche Commercial Features. Für Händler, die ohnehin über B2B-Funktionen, bessere Workflows oder verbindliche Service-Level nachdenken, ist der Planwechsel deshalb oft weniger ein Zwang als ein Anlass. Man bezahlt nicht nur für den Store-Zugang, man bekommt Funktionen, die vorher ein Eigenbau gewesen wären.
Trotzdem gilt: Rechnen lohnt sich. Die Preise hängen vom Umsatz ab, und je nach Shop-Größe kommen da relevante Beträge zusammen. Die Entscheidung sollte auf einer sauberen Kalkulation beruhen, nicht auf dem erstbesten Angebot.
Ihre drei Optionen, ehrlich betrachtet
Wenn Ihr Shop über der Umsatzgrenze liegt, gibt es drei Wege, und jeder hat einen Preis.
Der erste Weg ist der Bezahlplan. Sie bleiben voll im Ökosystem, bekommen Updates, Support und je nach Plan zusätzliche Funktionen. Der Preis ist eine neue Position im Budget. Für die meisten Shops über der Grenze ist das der richtige Weg, vor allem wenn der Shop das Kerngeschäft trägt.
Der zweite Weg ist die Community Edition ohne Store-Zugang. Das ist technisch möglich und wirtschaftlich meist eine Illusion. Erweiterungen müssen dann manuell beschafft und gepflegt werden, Updates werden zum Projekt, und mit jeder Shopware-Version wächst das Risiko. Dieser Weg kauft Zeit und erzeugt Wartungsschuld. Als Dauerlösung taugt er selten.
Der dritte Weg ist die grundsätzliche Frage: Ist Shopware noch die richtige Plattform? Diese Frage ist legitim, und manchmal ist eine Lizenzänderung der richtige Anlass, sie zu stellen. Die Antwort fällt allerdings oft zugunsten von Shopware aus. Die Plattform ist Marktführer in Deutschland, 115 der 1.000 größten deutschen Onlineshops laufen darauf. Ein Plattformwechsel ist ein Vielfaches teurer als jeder Bezahlplan. Er will gut begründet sein, nicht nur gut gefühlt.
Einen vierten Weg gibt es übrigens auch, und er ist der einzige wirklich falsche: nichts tun und die Meldepflicht ignorieren. Das verschiebt die Entscheidung nicht, es verschlechtert nur die Ausgangslage.
Wie Sie in einem Nachmittag Klarheit bekommen
Für die Standortbestimmung brauchen Sie keine Unternehmensberatung, sondern vier Antworten. Erstens: Welchen Jahresumsatz macht Ihr Shop tatsächlich über Shopware? Zweitens: Welche Erweiterungen aus dem Store sind im Einsatz und wie kritisch sind sie für den Betrieb? Drittens: Haben Sie die Umsatzmeldung abgegeben? Viertens: Steht in den nächsten zwölf Monaten ohnehin ein Thema an, das einen höheren Plan rechtfertigen würde, etwa B2B-Funktionen oder ein Versionssprung?
Aus diesen vier Antworten ergibt sich Ihre Position fast von selbst. Wir haben über 45 Shopware-Projekte umgesetzt und diese Bestandsaufnahme inzwischen oft begleitet. Das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe: Die Entscheidung ist leichter als gedacht, sobald die Fakten auf dem Tisch liegen. Schwer ist sie nur, solange man sie vor sich herschiebt.
Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Ihr Shop unter der Grenze liegt, erledigen Sie die Umsatzmeldung und machen Sie weiter wie bisher. Wenn Sie darüber liegen oder in den nächsten zwei Jahren darüber wachsen werden, treffen Sie die Plan-Entscheidung jetzt, solange kein Update und kein Weihnachtsgeschäft drängt. Und wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen, ist genau das der erste Arbeitsschritt.
Wie wir bei solchen Bestandsaufnahmen vorgehen und was wir sonst mit Shopware bauen, zeigen wir auf unserer Shopware-Seite. Warum ein Plattformwechsel kein Big Bang sein muss, falls es doch einer werden soll, lesen Sie in unserem Artikel über Replatforming ohne Big Bang. Alle weiteren Analysen finden Sie in unseren Shopware Insights.