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Replatforming ohne Big Bang: Wie der Wechsel zu Shopware gelingt, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden

// Shopware · Replatforming · Big Bang // Lesezeit ~ 6 min // prodct [CX] · Shopware

Kaum ein Projekt fürchten Shopbetreiber so sehr wie den Plattformwechsel. Die Angst ist berechtigt, denn schlecht geplante Migrationen kosten Umsatz, Rankings und Nerven. Nötig ist der große Knall trotzdem nicht. Nach über 45 Shopware-Projekten kennen wir die Stellen, an denen Migrationen wirklich scheitern. Es sind fast nie die, die im Angebot stehen. Wie ein Wechsel zu Shopware in Etappen funktioniert und welche Fragen Sie vor dem Start klären sollten.

Warum der Plattformwechsel so gefürchtet ist

Es gibt einen Grund, warum viele Unternehmen auf veralteten Shopsystemen ausharren, obwohl sie längst wissen, dass es so nicht weitergeht. Der Grund ist Angst, und sie ist nicht unbegründet. Ein Shop ist kein internes System. Er verdient jeden Tag Geld. Wer ihn austauscht, operiert am offenen Herzen. Jeder kennt eine Geschichte von der Migration, nach der die Rankings weg waren, die Bestandsdaten nicht stimmten oder das Weihnachtsgeschäft auf einem halbfertigen System lief.

Die Konsequenz aus diesen Geschichten ist aber nicht, auf dem alten System zu bleiben. Alte Systeme werden nicht besser, sie werden nur teurer. Die Workarounds häufen sich, die Agenturstunden steigen, und irgendwann erzwingt ein Sicherheitsthema oder ein auslaufender Support den Wechsel zum schlechtesten aller Zeitpunkte. Die Konsequenz ist eine andere: den Wechsel so zu planen, dass er kein Big Bang wird.

Warum die Wahl oft auf Shopware fällt

Wenn deutsche Händler heute wechseln, landet Shopware fast immer auf der Shortlist, und das hat handfeste Gründe. Die Plattform ist Marktführer in Deutschland. 115 der 1.000 größten deutschen Onlineshops laufen auf Shopware, mehr als auf jedem anderen System. Das Unternehmen dahinter ist stabil aufgestellt. PayPal hält seit Oktober 2025 rund 41 Prozent der Anteile, die Gründer führen das Unternehmen weiterhin als Co-CEOs.

Technisch spricht vor allem die Architektur für Shopware. Die Plattform ist API-first gebaut. Das klingt nach einem Detail für Entwickler und ist in Wahrheit die Eigenschaft, die Migrationen in Etappen überhaupt möglich macht. Wenn jede Funktion über Schnittstellen erreichbar ist, kann man Systeme nebeneinander betreiben, Daten schrittweise umziehen und Integrationen einzeln umstellen. Genau darauf baut das Vorgehen auf, das wir empfehlen.

Woran Migrationen wirklich scheitern

Nach über 45 Shopware-Projekten können wir eine unbequeme Beobachtung teilen. Migrationen scheitern selten an dem, was im Angebot steht. Das Template wird fertig, der Checkout funktioniert, die Demo sieht gut aus. Die kritischen Stellen sind andere, und sie tauchen in vielen Planungen gar nicht auf.

Die erste Stelle sind die Daten. Produktdaten, Kundendaten, Bestellhistorie. In alten Systemen sind diese Daten über Jahre gewachsen, mit Duplikaten, Sonderfällen und Feldern, deren Bedeutung niemand mehr kennt. Wer sie ungeprüft migriert, migriert das Chaos mit. Wer sie bereinigen will, muss dafür Zeit einplanen, und zwar vor dem Umzug, nicht währenddessen. Warum saubere Datenmodelle über so viele Digitalprojekte entscheiden, haben wir im Pimcore-Kontext ausführlich beschrieben. Beim Replatforming gilt dieselbe Lektion.

Die zweite Stelle sind die Schnittstellen. Fast jeder Shop hängt an einem ERP, oft zusätzlich an einem PIM, einem Zahlungsanbieter und einem Versanddienstleister. Diese Verbindungen sind das Nervensystem des Geschäfts. In Projekten erleben wir regelmäßig, dass eine Schnittstelle als Kleinigkeit eingeplant war und sich dann als das eigentliche Projekt herausstellt. Etwa wenn mitten im Projekt auffällt, dass der Lagerbestand aus dem ERP ganz anders geliefert wird als gedacht. Deshalb gehört die Schnittstellen-Inventur an den Anfang: Welche Systeme sprechen mit dem Shop, welche Daten fließen, wie oft, in welche Richtung?

Die dritte Stelle ist die SEO-Substanz. Ein Shop, der seit Jahren läuft, hat Rankings, und Rankings hängen an URLs. Wer beim Wechsel die URL-Struktur ohne Plan ändert, verschenkt organischen Traffic, der über Jahre aufgebaut wurde. Jede alte URL braucht ein Ziel im neuen System, entweder dieselbe Adresse oder eine saubere Weiterleitung. Das ist Fleißarbeit, und sie ist nicht optional.

Die vierte Stelle ist der Testprozess. Nicht das Testen selbst, sondern die Frage, wer was testet und wann. Wenn Entwickler technisch testen, der Kunde aber erwartet, dass fachlich alles geprüft ist, reden zwei Seiten aneinander vorbei, und die Qualität bleibt zwischen den Stühlen liegen. Klare Testverantwortung, ein realistisches Testsystem und ehrliche Übergaben gehören deshalb in jeden Migrationsplan.

Wie der Wechsel zu Shopware in Etappen aussieht

Das Gegenmodell zum Big Bang ist unspektakulär, und genau das ist seine Stärke. Der Wechsel wird in Schichten geschnitten, die einzeln live gehen können.

Am Anfang steht das Fundament. Shopware wird aufgesetzt, das Datenmodell definiert, die kritischen Schnittstellen zu ERP und Zahlungsanbieter gebaut und mit echten Daten getestet. In dieser Phase läuft der alte Shop unverändert weiter. Kein Kunde merkt etwas.

Dann folgt der Kern. Katalog, Checkout und die wichtigsten Kundenprozesse gehen auf dem neuen System live, mit sauber umgezogenen Daten und den vorbereiteten Weiterleitungen. Das ist der eigentliche Umstiegsmoment, und er ist bewusst klein gehalten. Alles, was nicht zum Kern gehört, folgt später.

Danach kommt der Ausbau. Zusatzfunktionen, weitere Vertriebskanäle, B2B-Prozesse, Personalisierung. Jede dieser Stufen ist ein eigenes, überschaubares Vorhaben auf einem stabilen Fundament. Wie viel davon nötig ist, entscheiden Zahlen aus dem Betrieb, keine Wunschliste aus dem Kickoff.

Der Zeitpunkt gehört ebenfalls zur Planung. Wer im Sommer das Fundament legt, geht mit einem eingeschwungenen System ins Weihnachtsgeschäft. Wer im Oktober anfängt, plant seinen Stress selbst.

Welche Fragen Sie vor dem Start klären sollten

Bevor Sie ein Angebot einholen, sollten Sie vier Fragen beantworten können. Welche Systeme hängen an Ihrem Shop und über welche Daten? Wie viele Produkte, Kunden und Bestellungen ziehen um, und in welchem Zustand sind diese Daten? Welche zwanzig Seiten Ihres Shops bringen den meisten organischen Traffic? Und wer in Ihrem Haus hat die Zeit und das Mandat, fachliche Entscheidungen im Projekt schnell zu treffen?

Die letzte Frage wird am häufigsten unterschätzt. Migrationsprojekte sterben nicht an Technik, sondern an offenen Entscheidungen, die wochenlang liegen bleiben. Ein Projekt mit klarem Entscheider auf Kundenseite ist schneller und billiger als jedes noch so gute Setup ohne ihn.

Der realistische Blick zum Schluss

Ein Plattformwechsel bleibt ein ernsthaftes Projekt. Er wird durch gute Planung nicht klein, aber er wird beherrschbar. Der Unterschied zwischen einer gefürchteten und einer gelungenen Migration liegt fast nie im Werkzeug. Er liegt darin, ob Daten, Schnittstellen, URLs und Verantwortungen vor dem Start geklärt wurden oder währenddessen improvisiert werden mussten.

Shopware bringt für den Weg in Etappen die richtige Architektur mit, und der deutsche Markt zeigt, dass dieser Weg für Shops jeder Größe trägt. Ob sich der Wechsel für Sie rechnet und wie Ihre Etappen aussehen würden, klären wir gern in einem ehrlichen Gespräch. Den Einstieg finden Sie auf unserer Shopware-Seite. Falls bei Ihnen zusätzlich die Lizenzfrage ansteht, lohnt vorher ein Blick auf unseren Artikel zur Fair Usage Policy. Und wenn nach der Migration der nächste Schritt B2B heißt, lesen Sie weiter bei B2B-Commerce mit Shopware. Alle Analysen finden Sie in unseren Shopware Insights.

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