Kanäle und Systeme verbinden
„Bestellungen kommen über fünf Kanäle. Und landen in fünf Systemen."
Ihre Kunden kaufen längst über Marktplätze. Der Kanal wächst um fast 30 Prozent pro Jahr. Die Frage ist nur, ob dort Ihre Ware liegt oder die des Wettbewerbers, der schneller gelistet hat. Wer die Kanäle bündelt, behält die Kundenbeziehung. Wer wartet, wird zum austauschbaren Lieferanten eines Marktplatzes.
Jeden neuen Kanal mit einer eigenen Schnittstelle anzubinden, erzeugt genau die Landschaft, die Sie heute bremst. Eine Integrationsschicht dreht das um. Kanäle docken an, statt sich einzeln ins ERP zu verdrahten. Der erste Kanal kostet gleich viel. Jeder weitere fast nichts.
Omni-Channel scheitert an drei Wahrheiten über denselben Artikel. Eine steht im ERP, eine im Shop, eine im Marktplatz-Feed. Vor der Verbindung steht deshalb eine Entscheidung. Welches System führt Bestand, Preis und Produktdaten? Das ist Datenarbeit und macht die halbe Projektlaufzeit aus.
Doppelverkäufe, Fehlbestände und manuelle Kanalpflege stehen in keiner Kostenstelle. Sie verstecken sich in Retouren, Expresslieferungen und Überstunden. Rechnen Sie die Prozesskosten je Bestellung und Kanal. Die Zahl trifft die Investitionsentscheidung meist von allein.
Kunden erwarten überall denselben Preis und dieselbe Verfügbarkeit. Jede Abweichung kostet Vertrauen, und Vertrauen ist im B2B die eigentliche Währung. Kanalkonsistenz gehört deshalb zur Markenpflege und nicht allein in die IT.
Kunden selbst bestellen lassen
„Unser Vertrieb tippt Bestellungen ab."
67 Prozent Ihrer Einkäufer wollen ohne Vertriebskontakt kaufen. Das ist keine Absage an Ihren Vertrieb. Es setzt ihn frei für Neukunden, Beratung und schwierige Fälle. Unternehmen, die das drehen, wachsen ohne zusätzliche Vertriebsmannschaft.
Das Portal ist die kleinere Hälfte. Die größere ist die ERP-Anbindung. Aufträge, Bestände, Kundenpreise und Zahlungsziele müssen automatisch fließen. Sonst steht eine schönere Fassade vor demselben manuellen Prozess. Planen Sie die Integration als eigenes Arbeitspaket.
Jede Selbstbestellung erzeugt Daten, die der Telefonvertrieb nie geliefert hat. Suchbegriffe, Abbrüche, Bestellrhythmen. Daraus werden Sortiments- und Preisentscheidungen. Wer das Portal baut, plant die Auswertung von Tag eins mit.
Eine manuell erfasste Bestellung kostet Innendienstzeit und erzeugt Erfassungsfehler. Klärfälle binden zusätzlich Kapital. Multiplizieren Sie Ihre Bestellungen pro Jahr mit einer ehrlichen Minutenzahl. Gegen diese Summe rechnet sich das Portal meist schneller als geplant.
Self-Service heißt nicht anonym. Der Kunde bekommt seinen Katalog, seine Preise und seine Bestellhistorie, jederzeit. Das ist mehr Betreuung, als ein überlasteter Innendienst leisten kann. Genau deshalb bleiben Kunden.
Kundenpreise digital abbilden
„Kundenpreise leben im ERP. Und in Excel. Und im Kopf des Vertriebs."
Ihre Preislogik ist über Jahrzehnte gewachsen und ein echter Wettbewerbsvorteil. Deshalb gehört sie in Ihre Systeme und nicht in Köpfe und Exceltabellen. Was nur der Vertrieb im Kopf hat, geht mit dem Vertrieb in Rente.
Die Preislogik lebt heute vermutlich an drei Orten: im ERP, in Excel und in der Gewohnheit. Der Shop ist die Gelegenheit, sie zu konsolidieren. Ein Regelwerk führt, alle Kanäle lesen daraus. Das reduziert die Sonderfälle, die jede Systemänderung verlangsamen.
Kundenindividuelle Preise setzen saubere Kunden- und Vertragsdaten voraus. Laufen die Kundennummern in ERP und CRM auseinander, zeigt der Shop falsche Preise. Und zwar sichtbar. Das Datenfundament kommt vor der Funktion.
Sonderkonditionen, die niemand systematisch nachhält, sind stille Margenkiller. Digital abgebildet werden sie sichtbar, auswertbar und kündbar. Oft bezahlt sich das Projekt aus den Konditionen, die dabei auffallen.
74 Prozent der Einkäufer wechseln den Anbieter, wenn Bestellprozesse zu kompliziert sind. Ernst wird der Kanal für einen A-Kunden in dem Moment, in dem er im Shop seinen echten Preis sieht. Vorher bleibt er Deko.
Produktdaten zentral führen
„Unser Sortiment wächst schneller als unsere Datenpflege."
Produktdaten klingen nach Verwaltung. Sie entscheiden aber über Geschwindigkeit. Wie schnell ist ein neues Sortiment online, ein neuer Marktplatz beliefert, ein Katalog gedruckt? Im Großhandel ist Datenpflege Time-to-Market.
Das ERP ist für Bestände und Buchungen gebaut. Marketingtexte, Medien und Kanal-Varianten gehören nicht hinein. Ein PIM daneben entlastet das ERP, statt es zu ersetzen. Die Aufgabenteilung bleibt klar: Das ERP führt die Zahlen, das PIM die Inhalte.
Nur 12 Prozent der Unternehmen haben Daten in KI-tauglicher Qualität. Wer KI im Einkauf, in der Preisfindung oder im Service nutzen will, legt mit dem Produktdaten-Fundament heute die Voraussetzung. Ohne dieses Fundament bleibt jede KI blind.
Rechnen Sie die Stunden, die Produktmanagement und Vertrieb mit Suchen, Abtippen und Nachfragen verbringen. Datenpflege ohne System ist ein Personalkostenblock. Er wächst, ohne dass jemand ihn beschlossen hat.
Reiche Produktdaten verkaufen: Bilder, Attribute, Datenblätter, Verfügbarkeiten. Arme Produktdaten erzeugen Rückfragen und Retouren. Der Unterschied ist kein Budgetthema, sondern eine Frage der Prozesse.
Das Shopsystem modernisieren
„Unser Shop ist zehn Jahre alt. Jeder Umbau ist eine Operation am offenen Herzen."
Das größte Risiko ist nicht der Wechsel. Es ist das Warten. Jedes Jahr Altsystem ist ein Jahr, in dem Wettbewerber Bestellstrecken bauen, die Ihre Kunden bevorzugen. Eine Migration in Etappen bleibt steuerbar, der Stillstand nicht.
Big-Bang-Migrationen scheitern an der Gleichzeitigkeit. Alles neu, alles am Stichtag. Etappen mit klaren Schnitten sind die Alternative: erst Fundament und Daten, dann Checkout und Integrationen, dann Feinschliff. Nach jeder Etappe läuft das System produktiv.
Die Migration ist die beste Gelegenheit seit Jahren, Altdaten zu bereinigen. Dubletten, tote Artikel, widersprüchliche Kundenstämme. Wer sie ungeprüft mitnimmt, migriert seine Probleme in ein schnelleres System.
Vergleichen Sie nicht Lizenz gegen Lizenz, sondern die Gesamtkosten. Dazu gehören Wartung, Agenturstunden für Workarounds und entgangene Aufträge durch Ausfälle. 81 Prozent der Einkäufer gewichten die digitale Erfahrung höher als vor zwei Jahren. Das Altsystem wird jedes Jahr teurer, auch wenn die Rechnung gleich bleibt.
Ein Replatforming ist die Chance, die Bestellstrecke vom Kunden her zu denken statt vom System. Die Messlatte ist nicht der Wettbewerber. Es ist der beste Shop, den Ihre Einkäufer privat nutzen.
- IFH Köln / ECC Köln, B2B-Marktmonitor 2025 ↗: 509 Mrd. Euro B2B-Internethandel von Großhandel und Herstellern 2024, plus sieben Prozent; B2B-Marktplätze plus 29,4 Prozent pro Jahr seit 2018.
- Gartner Sales Survey 2026 ↗: 67 Prozent der B2B-Einkäufer bevorzugen einen Kauf ohne Vertriebskontakt, nach 61 Prozent im Vorjahr ↗.
- ONE8Y/Emporix B2B-Commerce-Studie 2026 ↗: 74 Prozent Wechselbereitschaft bei komplizierten Bestellprozessen, 81 Prozent gewichten die digitale Erfahrung höher als vor zwei Jahren.
- Gartner (über Folio3-Aggregation) ↗: 12 Prozent der Unternehmen verfügen über Daten in KI-tauglicher Qualität.